Wilhelm von Blandowski. Jennap. Museum für Naturkunde Berlin (MfN), HBSB, ZMB, B VIII/ 29

Blandowski-Nachlass. Jennap. Museum für Naturkunde Berlin (MfN), HBSB, ZMB, B VIII/ 29

Wissen um Welt — Umweltwissen: Deutsche Naturkunde in Australien

Deut­sche Naturforscher*innen in der Nach­fol­ge Alex­an­der von Hum­boldts waren maß­geb­lich an der wis­sen­schaft­li­chen Erschlie­ßung der Welt betei­ligt. Ihre Rol­le rückt in der jüngs­ten Zeit immer stär­ker in den Fokus der For­schung. Gleich­zei­tig ent­wi­ckelt sich eine Debat­te um die Her­kunft und Recht­mä­ßig­keit der Auf­be­wah­rung von in kolo­nia­len Kon­tex­ten erwor­be­nen und in euro­päi­schen Muse­en aus­ge­stell­ten Artefakten.

Unser Pro­jekt baut auf die­sen Ent­wick­lun­gen auf und ver­folgt ein wei­ter­ge­hen­des, inno­va­ti­ves For­schungs­in­ter­es­se: Es unter­sucht aus wis­sens­ge­schicht­li­cher Per­spek­ti­ve die Rol­le von kolo­nia­len Samm­lun­gen bei der natur­kund­li­chen Her­stel­lung, Zir­ku­la­ti­on und des Gebrauchs von Wis­sen um Welt, und es begreift die gegen­wär­ti­ge Resti­tu­ti­ons­de­bat­te als Chan­ce, um im Aus­tausch mit den Gesell­schaf­ten den Glo­ba­len Südens die Rol­le der Natur­kun­de im Sin­ne einer ver­floch­te­nen Geschich­te nachzuzeichnen.

Dazu unter­su­chen wir exem­pla­risch die tex­tu­el­le (Rei­se­jour­na­le, Brie­fe) und mate­ri­el­le Über­lie­fe­rung (Gesteins­pro­ben, Pflan­zen, Tier­prä­pa­ra­te) deutsch­spra­chi­ger For­schungs­rei­sen­der, die im 19. Jahr­hun­dert Aus­tra­li­en bereis­ten. Wir kon­zen­trier­ten uns dabei auf die Bestän­de des Muse­ums für Natur­kun­de – Leib­niz-Insti­tut für Evo­lu­ti­ons- und Bio­di­ver­si­täts­for­schung Ber­lin (MfN). Das MfN besitzt heu­te eine der welt­weit größ­ten his­to­ri­schen Samm­lun­gen von aus­tra­li­schen Tie­ren und Pflan­zen. Dazu zäh­len Spe­zi­es, die heu­te als gefähr­det oder aus­ge­stor­ben gelten.

Die­se mate­ri­el­le und tex­tu­el­le Über­lie­fe­rung ist in dop­pel­ter Hin­sicht von beson­de­rer Bedeu­tung: Ers­tens doku­men­tiert sie die For­schungs­tä­tig­keit deutsch­spra­chi­ger Naturkundler*innen, die Hum­boldts Theo­rien und Metho­den auf dem bis dahin wenig erforsch­ten fünf­ten Kon­ti­nent erprob­ten. Die Geschich­te die­ses Trans­fers ist bis­lang nicht erschlos­sen. Zwei­tens sind die aus­tra­li­schen Samm­lun­gen von beson­de­rem Inter­es­se für die Geschich­te des MfN und der Ord­nung des natur­kund­li­chen Wis­sens in Deutsch­land. Denn oft­mals stell­te die aus­tra­li­sche Flo­ra und Fau­na eta­blier­te taxo­no­mi­sche Ord­nun­gen in Fra­ge (z.B. das Schna­bel­tier). Dar­über hin­aus erreich­ten die Pro­ben Ber­lin zu einem Zeit­punkt, als sich Vor­stel­lun­gen von der wis­sen­schaft­li­chen, öffent­li­chen und päd­ago­gi­schen Funk­ti­on von natur­kund­li­chen Samm­lun­gen im Sin­ne eines moder­nen Wis­sen­schafts­ver­ständ­nis­ses for­mier­ten und Insti­tu­tio­nen wie das MfN sich erst im Auf­bau befanden.

Status:
laufend

Leitung:
  • PD Dr. Eva Bischoff
  • Prof. Dr. Anja Schwarz

Fach:
  • Internationale Geschichte
  • British Cultural Studies