Abb1

Nikolaus von Kues: De docta ignorantia,
Hs. 15. Jh., Bernkastel-Kues: St. Nikolaus-Hospital,
Cod. Cus. 218, fol. 1r (Foto: Erich Gutberlet
© St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift, Bernkastel-Kues)

Abb2

Nikolaus von Kues: Cribratio Alkorani,
Hs. 15. Jh., Bernkastel-Kues: St. Nikolaus-Hospital,
Cod. Cus. 219, fol. 67r (Foto: Erich Gutberlet/
© St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift, Bernkastel-Kues)

Abb3

Nikolaus von Kues: Sermo XIX, Koblenz,
Weihnachten 1438, Hs. 15. Jh.,
Bernkastel-Kues: St. Nikolaus-Hospital,
Cod. Cus. 221, fol. 85r (Foto: Erich Gutberlet/
© St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift, Bernkastel-Kues)

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Die Bibliothek des Nikolaus von Kues (1401 – 1464)

Niko­laus von Kues (Cusa­nus) gehört zu den wich­tigs­ten phi­lo­so­phisch-theo­lo­gi­schen Den­kern und Kir­chen­po­li­ti­kern im Euro­pa des 15. Jahr­hun­derts. Obwohl ihn sein Weg als Stu­dent, erz­bi­schöf­li­cher Sekre­tär, päpst­li­cher Legat, Fürst­bi­schof und Kar­di­nal über Hei­del­berg, Padua, Köln, Trier, Basel und Kon­stan­ti­no­pel nach Bri­xen und Rom führ­te, blieb er sei­nem Geburts­ort Kues ver­bun­den und stif­te­te 1458 dort das bis heu­te bestehen­de St. Niko­laus-Hos­pi­tal/­Cu­sa­nus­stift. In die­sem ist auch sei­ne berühm­te Pri­vat­bi­blio­thek über­lie­fert, die er durch Schen­kun­gen, Kopien oder Käu­fe im Kon­text etwa des Bas­ler Kon­zils, sei­ner Rei­sen nach Kon­stan­ti­no­pel und durch Mit­tel­eu­ro­pa sowie sei­ner Tätig­keit auf ver­schie­de­nen Reichs­ta­gen suk­zes­siv auf­bau­te. So nutz­te Niko­laus von Kues einen Auf­ent­halt im Sep­tem­ber 1444 in Nürn­berg, um astro­no­mi­sche Manu­skrip­te und sel­te­ne Messinstru­mente zu erwer­ben, die ver­mut­lich aus der Biblio­thek des böh­mi­schen Königs in Prag stamm­ten. Nach dem Tod des Kar­di­nals im August 1464 in Todi (Umbri­en) ließ des­sen Die­ner Hein­rich Wal­pot die Hand­schrif­ten­samm­lung, wie Cusa­nus tes­ta­men­ta­risch ver­fügt hat­te, von Ita­li­en nach Kues brin­gen. Aktu­ell umfasst die Biblio­thek des St. Niko­laus-Hos­pi­tal­s/­Cu­sa­nus­stifts neben 128 Inku­na­beln und ca. 5.300 Dru­cken (16. – 21. Jh.) sie­ben früh­neu­zeit­li­che und 309 mit­tel­al­ter­li­che Manu­skrip­te (9. – 15. Jh.), von denen ca. 270 dem per­sön­li­chen Besitz des Niko­laus von Kues zuge­rech­net wer­den kön­nen. Sei­ne pri­va­te Biblio­thek zählt damit zu den weni­gen des 14. bis 16. Jahr­hun­derts, die weit­ge­hend geschlos­sen an ihrem ursprüng­li­chen Bestim­mungs­ort geblie­ben sind. 81 dis­lo­zier­te Hand­schrif­ten, die vor allem im 17. und 18. Jahr­hun­dert ver­äu­ßert wur­den, befin­den sich etwa in der Biblio­t­hè­que roya­le de Bel­gi­que in Brüs­sel, der Bri­tish Libra­ry in Lon­don sowie der Biblio­the­ca Apos­to­li­ca Vati­ca­na im Vatikan.

In den nächs­ten Jah­ren soll die Biblio­thek des Cusa­nus in drei Arbeits­schrit­ten digi­ta­li­siert, (neu) kata­lo­gi­siert und wis­sen­schaft­lich aus­ge­wer­tet wer­den. Dies erfolgt in Koope­ra­ti­on u. a. mit dem Cusa­nus-Insti­tut, dem St. Niko­laus-Hos­pi­tal/­Cu­sa­nus­stift sowie dem Hand­schrif­ten­zen­trum der Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin – Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz. Neben der Unter­su­chung der Lese­in­ter­es­sen und Quel­len des Phi­lo­so­phen und Theo­lo­gen, die par­al­lel zu der über­lie­fer­ten eine ima­gi­nä­re Biblio­thek ent­ste­hen lässt, wird auch das Netz­werk der euro­päi­schen Huma­nis­ten und Gelehr­ten um Niko­laus von Kues und mit ihm der Aus­tausch von Hand­schrif­ten, Ideen und Kor­re­spon­den­zen aufgezeigt.

In einem ers­ten Durch­gang wer­den bis Ende 2020 sechs Manu­skrip­te digi­ta­li­siert und beschrie­ben, die von Niko­laus von Kues selbst ver­fasst wur­den bzw. in sei­nem unmit­tel­ba­ren Umfeld entstanden.

Aus­ge­wähl­te Schrif­ten von Niko­laus von Kues fin­den Sie in der Aus­stel­lung “Zwi­schen Kues und Kon­stan­ti­no­pel” auf dem Por­tal der Deut­schen Digi­ta­len Bibliothek.

 

Status:
laufend

Leitung:
  • Prof. Dr. Petra Schulte

Projektbeteiligte:
Dr. Mar­co Brösch
Alex­an­dra Geissler
Ingo Keuser

In Kooperation mit:
  • Cusanus-Institut
  • St. Nikolaus Hospital/Cusanusstift
  • Handschriftenzentrum der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Fach:
  • Mittelalterliche Geschichte

Laufzeit:
01/09/2020 - 31/12/2020

Webseite:
https://cusanus-institut.de